Statistik der Behandlungsfehler für 2017: MDS stellt weniger Fälle fest

Der MDS - der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen - hat alle den gesetzlichen Krankenversicherungen in 2017 gemeldeten Behandlungsrügen ausgewertet. Danach meldeten 13.519 gesetzlich versicherte Patienten einen Verdacht auf fehlerhafte Behandlungen; nach Überprüfung bestätigten die Medizinischen Dienste in 3.778 Fällen einen Behandlungsfehler. Aber nur in 2.690 Fällen ist den betroffenen Patienten daraus ein nachweislicher Gesundheitsschaden entstanden.

 

Nachdem die gemeldeten Fälle bis 2016 kontinuierlich leicht angestiegen sind,  flossen in die Statistik für 2017 rund 1.600 Fälle weniger ein. Die vom MDS mitgeteilten Zahlen geben aber nicht alle tatsächlichen Behandlungsfehler in Deutschland wieder, sondern beinhalten nur einen Ausschnitt. Hier schlagen nur die Fälle zu Buche, bei denen sich die Patienten Hilfe suchend an ihre Krankenkasse gewandt haben. Insgesamt dürften Ärzten und Krankenhäusern geschätzt jährlich deutlich über 700.000 vermeidbare Behandlungsfehler unterlaufen. Eine weitere Vielzahl von Fällen wird von den Gutachterkommissionen der Ärztekammern geprüft; diese Fälle sind in der MDS-Statistik nicht enthalten. Überdies weist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund ausdrücklich darauf hin, dass die Anzahl der begutachteten Fälle keinerlei Rückschlüsse auf die tatsächliche Anzahl unterlaufener Behandlungsfehler zulasse.

 

MDK-Gutachten

Die Krankenkassen sind seit Ende Februar 2013 gesetzlich verpflichtet, ihre Versicherten bei einem Verdacht auf Behandlungsfehler zu unterstützen. Dazu greifen sie auf ihre regionalen Medizinischen Dienste (MDK) zurück. Spezielle Gutachterteams prüfen dann die Vorwürfe von Behandlungsfehlern und ziehen nicht selten auch spezialisierte Fachärzte hinzu. Die Gutachter gehen dabei unvoreingenommen der Frage nach, ob die Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard abgelaufen ist. Bestätigt sich ein Behandlungsfehler, wird außerdem geprüft, ob der Schaden, den der Patient erlitten hat, durch den Fehler verursacht worden ist (Kausalität). Nur dann ist die Forderung von Schmerzensgeld und Schadensersatz aussichtsreich. Auf der Basis des MDK-Gutachtens kann der geschädigte Patient selbst entscheiden, welche weiteren Schritte er unternimmt.

 

Optimales Vorgehen

„Es empfiehlt sich, schon während der Überprüfungen durch die Medizinischen Dienste spezialisierte anwaltliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen“, rät der Fachanwalt für Medizinrecht Jörg Holzmeier. Denn die Behandlungsunterlagen des Krankenhauses oder des Arztes sollte nicht die Krankenkasse, sondern der Patient selbst anfordern. „Es ist nämlich ratsam, dass die Behandler zunächst einmal keine Kenntnis von einer gutachtlichen Überprüfung ihrer Behandlungen bekommen. Wissen sie aber über die Krankenkasse davon, verlangen die Haftpflichtversicherer der Ärzte immer die Vorlage der MDK-Gutachten. Der Patient muss aber uneingeschränkt selbst entscheiden können, welche Gutachten oder ärztlichen Beurteilungen er seinen Gegnern zur Verfügung stellen will und welche nicht“ erläutert der Fachanwalt. Die beim Patienten liegenden Behandlungsunterlagen stellt der Anwalt selbstverständlich den Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst zur Begutachtung zur Verfügung. Während der medizinischen Überprüfung kann er die Patientenakte zeitgleich schon einmal rechtlich überprüfen. Dabei ergeben sich häufig auch weitere Ansatzpunkte für ein ärztliches Verschulden, z. B. Aufklärungsfehler (die vom MDK regelmäßig nicht geprüft werden), Fehler zu Lasten des Patienten bei voll beherrschbaren Risiken, Organisations- oder Übernahmefehler.

 

Behandlungsfehler

Die meisten ärztlichen Fehler werden nach Behandlungen im Krankenhaus gerügt (8.900); nur knapp 4.600 Fehlerrügen beziehen sich auf ambulante Behandlungen.  Dabei stehen Eingriffe der Fachrichtungen Orthopädie und Unfallchirurgie einerseits und der inneren und Allgemeinmedizin andererseits deutlich im Vordergrund (31 % bzw. 13 %). Bei den Behandlungen durch niedergelassene Ärzte sind inzwischen auch die Zahnmediziner mit einem Anteil von 8 % in den Fokus der Medizinischen Dienste geraten.

 

Ratschläge an betroffene Patienten

Die Dunkelziffer der Behandlungsfehler liegt nach Einschätzung aller Experten auf diesem Gebiet deutlich höher. Patienten, deren Behandlung zu einem Gesundheitsschaden geführt hat, sollten nicht zögern, fachkundig überprüfen zu lassen, ob ein Behandlungsfehler als Ursache in Frage kommt. Für die rechtliche Beurteilung sind Fachanwälte für Medizinrecht, die im Arzthaftungsrecht spezialisiert sind, die erste Adresse. Zur medizinischen Überprüfung sollten sich gesetzlich krankenversicherte Patienten an ihre Krankenkasse und Privatversicherte an ihren Versicherer wenden. Aber auch die Gutachterkommissionen bei den Ärztekammern bieten eine fachärztliche Beurteilung an. Im Übrigen kann sich jeder Patient auch an private Gutachter wenden; die Kosten eines solchen Privatgutachtens müssen aber zunächst selbst aufgebracht werden.

Bei einem Verdacht auf Behandlungsfehler sollten Betroffene nicht zu lange mit einer Überprüfung und ggf. rechtlich solide begründeten Ersatzforderungen warten. Denn die Patientenansprüche verjähren grundsätzlich innerhalb von drei Jahren. Allerdings beginnt die gesetzliche Drei-Jahres-Frist nicht schon mit dem Tag der fehlerhaften Behandlung. Gesetz und Rechtsprechung erlauben in bestimmten Konstellationen oft noch viele Jahre später eine Anspruchstellung gegenüber dem ärztlichen Haftpflichtversicherer oder vor den Zivilgerichten. Auch dieser Fristenfragen sollten sich im Zweifelsfall die spezialisierten Fachanwälte annehmen.